
Mitch Albom wuchs in einer jüdischen Gemeinde in New Jersey auf. Als er von seinem Rabbi gebeten wird, seine Totenrede zu halten, lebt er als Journalist in Detroit und hat den Kontakt zu seiner Religion weitgehend verloren. Dieser Auftrag bringt ihn dazu, den Rabbi regelmäßig zu besuchen und lernt ihn, seine Familie, seine Art zu denken, seinen Glauben und sein hingebungsvolles Leben an die anderen kennen und schätzen.
Parallel dazu schildert er seine Bekanntschaft zu einem schwarzen Pastor. Dieser war mehrmals im Gefängnis, das erste Mal unschuldig angeklagt in einem Mordprozess, später weil er mit Drogen gedealt hatte und selbst drogenabhängig war. In einem Moment größter Lebensgefahr versprach er sein Leben Jesus, wenn er ihn vor seinen Verfolgern retten würde. Er wurde nicht entdeckt und gründete, nachdem er sich wirklich dem Glauben genähert hatte, in einer baufälligen Kirche eine Gemeinde mit dem Namen «I am my Brothers Keeper», wo er gestrandeten Existenzen eine Unterkunft gab. Er versuchte ihnen die Hoffnung zu vermitteln, dass jeder Mensch von Gott angenommen wird und dass es auch in einem noch so gottfernen Leben immer die Möglichkeit zur Umkehr gibt.
Der Autor beschreibt zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die aber darin übereinstimmen, dass sie ihren Glauben authentisch leben, ihrer eigenen Hinfälligkeit bewusst ihr ganze Vertrauen auf Gott setzen, und fähig sind, die Menschen in ihrer Umgebung mit ihrer Liebe zu Gott anzustecken und so Hoffnung zu säen. Zum Ausdruck gebracht wird auch, dass ein ehrlicher Glaube keinen Hass gegenüber anders Denkenden oder Angehörigen anderer Glaubensrichtungen kennt, sondern die gemeinsame Suche nach Gott über alles Trennende stellt.
Es werden viele Grundfragen des Lebens wie Freundschaft, Ehe, Sünde, Bekehrung, Vergebung, Nächstenliebe, Alter, Tod, etc. in einer sehr anschaulichen, überzeugenden Art und Weise, die dem jüdisch-christlichen Denken entspringt, behandelt. Der einzige Kritikpunkt ist in der Aussage zu sehen, dass alle Religionen als völlig gleichwertig angesehen werden.
Ch.S. (Österreich, 2015)